Die Jugendbildungsstätte Haus Kreisau kooperiert mit der Berliner Gasthausmission im breit angelegten Projekt Werte-Navi.

„Wohlstand bedeutet mir am meisten. Aber damit meine ich nicht, was ihr denkt, Geld-Haben, sondern alles: Gerechtigkeit, Gesundheit, Loyalität, Freiheit, Sicherheit.“ Ja, das stimmt, antwortet eine junge Frau zustimmend und doch nachdenklich, „Freiheit und Sicherheit sind wirklich meine höchsten Werte, aber zwischen ihnen gibt es eine Spannung. Trotzdem, es gibt beides in der Freundschaft. Für mich das Allerwichtigste“ „Mein höchster Wert ist Leben“ fährt ein junger Mann aus Syrien fort, der seit 4 Jahren in Berlin lebt. „Denn Leben gibt es nicht in Deutschland, hier gibt’s nur Arbeit. Zu Hause arbeiten wir auch, aber das Entscheidende ist das Leben. Wenn ich in meine Straße rufe: Salam Aleikum! dann antwortet die ganze Straße Aleikum Salam und dass bedeutet: Komm rein und trink einen Kaffee mit uns.“ „Religion bedeutet mir gar nichts, ich akzeptiere Leute, die glauben, aber ich will mit Kirche nichts zu tun haben, denn mein höchster Wert ist die Liebe.“ Das sagt ein junger Mann, der vor einigen Jahren aus Chile weggegangen und nach Berlin gekommen ist, und alle spüren, dass er weiß, wovon er spricht. Und dennoch riskiert es eine Jugendliche, zu sagen, was ihr das Wichtigste ist. „Mein Glaube, denn in den Religionen geht es doch um die Liebe. Das ist meine Erfahrung.“

Eine Gruppe von Berufsschüler*innen spricht über ihre Werte, darüber, was ihnen am meisten bedeutet. Dabei werden Erfahrungen hoher Diversität hörbar, auch solche, die hart sind. Erzählungen von Diskriminierungen erfüllen den Raum. Die Berliner Schüler*innen stammen aus allen Ländern der Erde. Respekt ist deshalb der am häufigsten genannte Begriff: „Gut gesagt. Respekt!“ oder „Respekt, dass du uns das erzählt hast.“ Es geht um Respekt vor den Erfahrungen und Haltungen der anderen, auch vor gut gesagten Sätzen und dem Mut, das Eigene zu äußern. Immer wieder Applaus und: Respekt! Ein junger Mann mit blauen Augen, blonden Haaren und einem freundlichen Gesicht reagiert mit naivem Blick auf die Diskriminierungserfahrungen: „Komisch, dass mir das nicht passiert.“ Eine Schrecksekunde geht durch den Raum. Dann wird klar. Er hat’s auf den Punkt gebracht. In Solidarität.

Denn mit der Rede vom Respekt geht es auch um den Wunsch, respektiert zu werden – im Privaten genauso wie in einem Beruf, der es in sich hat, was die Frage des Respekts angeht, und in einer Stadt, die alle Anwesenden verbindet, in der es aber nicht in jedem Fall leicht ist, sich zu beheimaten.
Die Berliner Gasthausmission und die Religionspädagog*innen von Haus Kreisau nutzen ‚den dritten Ort‘ der Jugendbildungsstätte, um für Berufsschulklassen der Gastronomie – und es gibt 4500 Auszubildende im Berliner Gastgewerbe – einen Raum zu schaffen, an dem so, in Freiheit und Respekt, gesprochen werden kann. Wenn ein solcher Raum entsteht, können die Fragen der Ethik und der Religionen, um die es mit dem Werte-Navi geht, unbefangen zur Sprache kommen. So kann gemeinsam ein Weg zu einer reflektierten Werteorientierung beschritten werden. Der Blick über die Havel, „wo man einfach mal zur Ruhe kommen kann“, hilft ebenso dabei wie der Actionbound und das gemeinsame Grillen am Abend.

Hier finden Sie den Flyer:

Wertenavi-Flyer-Web