Es war einmal … Vor zwei Jahren bat die Schulleitung des Ulrich-von-Hutten-Gymnasiums Friedemann Just, den dortigen Religionslehrer, mit einer 7. Klasse ein diakonisches Projekt durchzuführen. „Ich fand den Vorschlag total gut, aber auch anspruchsvoll“ erinnert sich Just. „Ich hatte einen relativ kleinen Kurs mit 10 Schüler:innen, die damals gerade einmal 12 Jahre alt waren, und außerdem waren durch die Corona-Pandemie viele Dinge einfach nicht möglich.“ Also galt es kreativ zu werden.

Just nahm Kontakt zu der Hilfsorganisation GAiN auf. „Ich hatte mitbekommen, dass meine Heimatgemeinde im Ruhrgebiet, wo ich aufgewachsen bin, seit vielen Jahren erfolgreich mit dieser Hilfsorganisation zusammenarbeitet, und dass GAiN Aktionen und Projekte anbietet, die auch an Schulen prima umsetzbar sind.“ Durch den Ukraine-Krieg gab es einen aktuellen Anlass, der den Blick auf die Not der Menschen gerade in Osteuropa lenkte. Und so startete der Religionskurs zunächst eine „Gymbag“-Aktion an der Schule. Schüler:innen waren aufgerufen, Turnbeutel mit nützlichen Dingen zu befüllen, die GAiN dann anschließend an Jugendliche in Osteuropa verteilte. Darüber hinaus gab es einen Hilfseinsatz im zentralen Lager von GAiN in Berlin-Mitte. Simon Hainbach, einer der Verantwortlichen der Arbeit von GAiN in Berlin, kann sich noch gut daran erinnern. „Die Schüler:innen des Religionskurses haben damals in wenigen Stunden 55 Hygienepakete für die Ukraine, 42 Rucksäcke für geflüchtete Teenager in Berlin und 28 Lebensmittelpakte für die Ukraine gepackt. Das war der Hammer!“ Die Jugendlichen waren nicht nur fleißig, sondern derart begeistert, dass bereits auf dem Heimweg nach Lichtenrade die Idee im Raum stand, man müsse irgendwie mehr machen.

Josefin Stein, Koordinatorin des Projekts auf Schülerseite, bringt die Stimmung so auf den Punkt: „Ich möchte mitwirken, helfen, wo Hilfe gebraucht wird und ein Teil von dieser coolen Organisation sein, die superfreundlich und offen ist und sich vor allem über neue Mitglieder bzw. ehrenamtliche Mitarbeiter freut.“ Das war der Anfang einer wirklich fast schon märchenhaften Geschichte:

Die Idee war geboren, ob es nicht möglich wäre, eine eigene Sammelstelle für Hilfsgüter zu eröffnen und zu betreiben. Es verging dann noch mal fast ein Jahr, bevor aus der Idee Wirklichkeit wurde. Zunächst musste ein Raum gefunden werden. Die Schulleitung war zwar von der Idee angetan, winkte aber bei der Raumfrage gleich ab. Die Schule platze ohnehin schon aus allen Nähten. Warum also nicht einen Versuch unternehmen, mit der nahegelegenen evangelischen Kirchengemeinde zu kooperieren. Diese stellte eine halbe Garage zur Verfügung, und diese wird nun von den Schüler:innen genutzt. Am 2. Mai 2023 war Eröffnung. „Wir haben damals mit einer Handvoll Schüler:innen angefangen und uns gefragt: Schaffen wir das?“ erinnert sich Just. „Heute, ein Jahr später, sind es über 30 Schüler:innen , die im GAiN-Projekt mitarbeiten. Das ist der Wahnsinn! Bunt, mit unterschiedlichen Begabungen, aber mit brennendem Herzen und Kreativität, etwas zu bewegen.“

Das GAiN-Projekt ist damit die einzige GAiN-Sammelstelle in ganz Deutschland, die von Schüler:innen betrieben wird, seit nunmehr einem Jahr. Zum einjährigen Sammelstellenjubiläum ließ es sich Klaus Dewald, Gründer und Leiter der globalen Hilfsorganisation, nicht nehmen, das Projekt zu besuchen und Zeit mit den Schüler:innen zu verbringen. In der öffentlichen Jubiläumsfeier wurde Dewald fast eine Stunde von zwei Schülerinnen des Projekts interviewt, zu seiner Lebensgeschichte, zu GAiN und zu seinem christlichen Glauben. Wie er die Arbeit der Sammelstelle findet, brachte er mit folgenden Worten auf den Punkt: „Supertoll! Erstklassig!“

Wie geht es weiter? Die nächsten Projekte sind bereits in Planung. Die Sammelstelle goes Social Media: Wer mag, kann die Arbeit auf Instagram  oder auf Facebook verfolgen.

Bei YouTube gibt es auch den neuen Imagefilm zu sehen, der von Merlin Höringklee (Schüler des 9. Jahrgangs) erstellt wurde:

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Außerdem werden einige Schüler:innen im Juni einen Hilfseinsatz in Rumänien leisten, was für die Teilnehmenden mit Sicherheit eine prägende Erfahrung wird. „Hier entsteht unter dem Label „Schülerfahrt mit Herz“ bereits ein zweites Projekt, was auch längerfristig als Angebot an der Schule etabliert werden soll“, ist Just optimistisch.

Fortsetzung folgt also …

(Text und Fotos: Friedemann Just, Evangelische Religionslehrkraft am Ulrich-von-Hutten-Gymnasium Berlin)